Gespräch mit Jeanne Bretécher und Marc Aguilar Santiago über soziale Innovationen

Im Rahmen des Workshops „Social innovation in the field of social integration“ am 25. September 2019 waren viele internationale Expertinnen und Experten zu Gast in Berlin, um mit Mitgliedern des Hightech-Forums über soziale Innovationen zu diskutieren. Mit zweien von ihnen haben wir im Nachgang über ihre Ideen zur Finanzierung und Förderung sozialer Innovationen gesprochen.

Marc Aguilar Santiago arbeitet bei Bit Lab Cultural, einer Non-Profit-Organisation in Barcelona für kulturelle Innovationen. Wir haben ihn zum Thema Finanzierung befragt:

Wie können soziale Innovationen finanziert werden?
„Es gibt eine Reihe von Mechanismen, mit denen in den vergangenen Jahren experimentiert wurde. Ein Beispiel: Matched Crowdfunding ist eine Kombination aus Crowdfunding und institutioneller Förderung. Zum Beispiel kann eine Crowdfunding-Kampagne vereinbart werden, in der für jeden Euro ‚aus der Crowd‘ ein Euro von einem institutionellen Partner zugesteuert wird.“

Und was kann der Staat hier konkret unternehmen?
„Darüber hinaus gibt es innovative Ansätze in der öffentlichen Vergabe: Zuschlagskriterien werden so definiert, dass die Vergabeentscheidung nicht nur auf Grundlage von Kosten, sondern auch hinsichtlich sozialer Aspekte getroffen wird. Zum Beispiel können so Bieter bevorzugt werden, die saubere Energie oder elektrische Fahrzeuge nutzen, um den Auftrag auszuführen. Das sind kleine, einfache Maßnahmen, die aber eine große Wirkung haben können.“

Gibt es weitere interessante Modelle?
„Wettbewerbe und die Ausschreibung von Preisen und Awards sind Mittel, um Innovationen insbesondere in solchen Bereichen zu fördern, in denen der Marktanreiz schwach ist. Wichtig ist, dass der Aufgabenbereich und die Erfolgskriterien vorab klar definiert sind.
Social Impact Bonds, eine Kooperations- und Finanzierungsform zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren, können so konzipiert werden, dass sie sowohl einen finanziellen Ertrag abwerfen als auch eine soziale Wirkung entfalten (je höher die soziale Wirkung, desto höher die Rendite). Sie bieten einen Mechanismus, über den private Investments in soziale Innovationen stimuliert werden.“

Jeanne Bretécher arbeitet für den Social Good Accelerator, einem europäischen Think Tank und Netzwerk in Paris, das Akteure sowohl aus dem Bereich sozialer als auch technischer Innovationen zusammenbringt und sich für die Förderung sozialer Innovationen auf europäischer Ebene einsetzt. Wir haben sie gefragt:

Wie können soziale Innovationen gefördert werden?
„Da gibt es viele Möglichkeiten. Auf der Organisationsebene ist eine offene Innovationskultur besonders wichtig. Die kann durch entsprechende Arbeitsmethoden, wie zum Beispiel Design Thinking, UX-Analyse und -Design, agiles Arbeiten oder Pitches erreicht werden. Dadurch wird die Kooperation, Effizienz und Anpassungsfähigkeit innerhalb der Organisationen verbessert. Darüber hinaus kann sich auch der Einsatz von neuen Technologien und Kommunikationsformen positiv auf den Innovationsprozess auswirken.
Auf politischer Ebene brauchen wir eine Gesetzgebung, die soziale Innovationen fördert. Und nicht zuletzt müssen wir die Vollendung des Europäischen Binnenmarkts auch für die Sozialwirtschaft und Philanthropie anstreben.“